PUBG hat es losgetreten und Fortnite machte es massentauglich: Das Battle Royale-Genre. Jetzt springt mit Call of Duty: Black Ops 4 das erfolgreichste Shooter-Franchise auf den Zug auf. Mit dem neuen Spielmodus Blackout versucht Publisher Activision den Zahn der Zeit zu treffen und sich ein kleines (oder eher großes) Stück vom Kuchen abzuschneiden. Dafür musste allerdings die Singleplayer-Kampagne dran glauben.

Der Rest des Spiels kommt jedoch nicht zu kurz. Black Ops 4 stützt sich auf drei Säulen: Den klassischen Multiplayer-Modus, das neue Blackout sowie den beliebten Zombie-Modus. So hat Treyarch ein umfangreiches Gesamtpaket geschnürt, das mir eine Menge Abende versüßen wird. Blackout sorgt dabei zum 15. Jubiläum von Call of Duty für einiges an neuem Schwung und ist damit deutlich der aufregendste Aspekt des Spiels.

Multiplayer: Old, but gold

Im klassischen Mehrspieler-Modus bietet der vierte Teil der Black Ops-Reihe nicht viel neues, aber punktet stattdessen mit altbewährtem. Das CoD-typische "Run-and-gun"-Gameplay auf relativ kleinen Karten kehrt zurück. Erstmals muss ich mich dabei selbst heilen, nachdem ich Schaden genommen habe. Das gibt mir das Gefühl, mehr Kontrolle und Verantwortung über meinen eigenen Spielerfolg zu haben.

Die Spezialisten sind ebenfalls wieder da und haben jeweils eine einzigartige Waffe und Spezialfähigkeit im Gepäck. Dieses Mal kann ich auch beides im Kampf gleichzeitig nutzen. Während die Spezialwaffe immer automatisch dabei ist, lässt mir Black Ops 4 im Klasseneditor die Wahl, anstatt meiner Ausrüstung (wie z.B. Granaten) die Fähigkeit des Spezialisten zu aktivieren.

Die Wirksamkeit der Spezialausstattung reicht von übermächtig bis praktisch nutzlos, ist aber zumeist hilfreich und ausbalanciert. Während man z.B. mit Firebreaks Flammenwerfer innerhalb von wenigen Sekunden ein ganzes Team eliminieren kann, finde ich Ruins Kletterhaken kaum sinnvoll. Der wäre in einem Spiel mit mehr Vertikalität wesentlich besser aufgehoben gewesen.

 
Firebreak ist einer der zehn spielbaren Spezialisten und hat einen Reaktorkern dabei.

Zombies: Neuer Cast, neues Glück

Treyarch rühmte sich vor der Veröffentlichung damit, dass der Zombie-Modus in Black Ops 4 mehr Inhalt zum Launch bietet als jedes andere Call of Duty zuvor. Zwei der vier (drei, für Spieler die den Black Ops Pass nicht besitzen) verfügbaren Maps sind aber Remakes alter Karten. Das könnte man als Faulheit abstempeln, aber genauso als Fan-Service betrachten, denn die beiden alten Maps "Five" und Mob of the Dead gehören zu den Favoriten der Community.

Die zwei neuen Szenarien führen die "Chaos"-Storyline ein – inklusive eines Sets jungfräulicher Charaktere. Die sind ein ziemlich bunter Haufen, aber letztendlich nur leblose Hüllen, die ab und an einen coolen Spruch ablassen. Die Karten selber bieten mit dem antiken Rom sowie der Titanic ansehnliche Kulissen. Doch gerade IX, welches in einem Kolosseum spielt, ist ein einziges Labyrinth, in dem ich mich fast immer verlaufen habe. Lauter verzweigte Wege und Treppen, die tiefer und tiefer nach unten führen, haben mir die Orientierung enorm erschwert.

 
Der Zombie-Modus in Black Ops 4 führt vier neue Charaktere ein.

Blackout: Ein paar Macken, aber viel Potential

Eine Sache vorweg: Blackout funktioniert – und das sogar sehr gut. Es macht Spaß, es ist fordernd und es beschert (vor allem gegen Ende hin) Nervenkitzel pur. Als Battle Royale-Newcomer hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten in dem Prestige-Projekt des neuen Black Ops. Doch je mehr ich gespielt habe und mich dem wesentlich langsameren und bedachteren Gameplay in Call of Dutys Battle Royale-Modus geöffnet habe, desto mehr Spaß hat es gemacht.

Der Spielmodus kommt aber nicht ohne Ecken und Kanten. Und an denen muss Treyarch in den kommenden Wochen noch schleifen. Zum Beispiel wirkt Blackout noch etwas unvollständig bzw. unausgereift. Es gibt zwar ca. 30 Charaktere, die man zum Spielen freischalten kann, die meisten davon sind aber "bis auf weiteres" gesperrt. Dass Treyarch derartige Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt womöglich als DLC nachliefert, wäre ja generell in Ordnung. Aber sie Spielern schon zu zeigen, während der Zugang noch verwehrt wird, ist eher frustrierend.

Das Fortschritt-System sollte ebenfalls in der nahen Zukunft überarbeitet werden, da es sehr demotivierend ausfallen kann. Die zum Aufleveln benötigten Verdienst-Punkte erhält man bisher nur durch Abschüsse, Spitzenplätze (mind. Top 15) und Herausforderungen.

Wenn ich also eine Runde ohne Abschüsse beende (weil ich z.B. sehr vorsichtig spiele) und vor dem Erreichen der Top 15 sterbe, dann gehe ich komplett leer aus. Passiert das nun mehrere Runden hintereinander, dann fühle ich mich von der immer wiederkehrenden Null schon geradezu verhöhnt. Würde ich für das reine Überleben in gewissen Zeitabständen belohnt werden, wäre ich wahrscheinlich nach jeder Runde viel motivierter, mich direkt ins nächste Blackout-Gefecht zu stürzen.